Die Entdeckung des Rudolf Rempel

 

Der Durchbruch zur kommerziellen Verbreitung von Einkoch-Methoden gelang mit der Entdeckung des bis heute gängigen Einweck-Verfahrens durch den pfiffigen Chemiker und Erfinder Rudolf Rempel und der geschickten Vermarktung durch den berühmten Namensgeber Johann Weck.

Aber es soll nicht vergessen werden, dass auch andere Wissenschaftler und Forscher durch ihre Entdeckungen den Weg geebnet haben.

Als erster soll hier Otto von Guericke genannt werden. Der Magdeburger lebte im Deutschland des 17. Jahrhunderts und erforschte – so banal es klingt – die Luft. Gerade das für das Einmachen so wichtige Vakuum (wir werden im Kapitel “Funktion des Einkochens” noch darauf zurückkommen!) wurde erst durch seine Entdeckungen und Versuche mit Luft für die damalige Wissenschaft begrifflich und stofflich greifbar. Seine Versuche mit den Magdeburger Halbkugeln kennt wohl jeder noch aus dem eigenen Physik-Unterricht. Doch auch andere beschäftigten sich in den folgenden Jahrhunderten des wissenschaftlichen Aufbruches mit vielen Bereichen der Physik und Chemie.

Der Franzose Denis Papin, ein Zeitgenosse von Guericke, erkannte, dass mit Hilfe des Wasserdampfes ein Vakuum in einem geschlossenen Gefäß mit Ventil erzeugt werden kann, auch dies eine wichtige Erkenntnis zum Verständnis des Einkochens.

Einer der wichtigsten Vertreter seiner Zunft war der französische Physiker und Chemiker Louis Pasteur (1822 – 1895). Dieser erkannte, dass sich durch das kurzzeitige Erhitzen von Lebensmitteln auf 70 bis 160 oC die darin enthaltenen Mikroorganismen und Krankheitserreger abtöten lassen und sie somit nicht zum Verderb der Ware beitragen können. Durch das kurze Erhitzen des Konserviergutes blieb als positiver Nebeneffekt auch sehr viel von der geschmacklichen Eigenheit und Konstistenz der Ware erhalten. Pasteur war es, der diese Vorgänge auch wissenschaftlich erklären konnte, nachdem bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Bereich des Militärwesens, begonnen wurde, nach Konservierungsmethoden zu forschen, welche den Soldaten und Seeleuten haltbare Vorräte bieten konnte. Nicht umsonst ist diese Konservierungsmethode bis heute als “Pasteurisieren” bekannt.

Praktische Verdienste machte wiederum ein Franzose, nämlich Francois Appert (1749 – 1841). Dieser war unter Anderem Bierbrauer und Konditor. Sein ruheloser Erfindergeist suchte zeitlebens nach praktischen Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen. In seiner eigenen Versuchswerkstatt gelang ihm das, was Louis Pasteur in der Theorie erkundete. Man kann sagen, dass er der erste war, der nach heutigen Maßstäben Lebensmittel durch die Komponenten Erhitzen und Luftabschluss im Vakuum einkochte und den Weg zu Konservendosen und Einweckgläsern ebnete. 1810 veröffentlichte Appert seinen Erkenntnisse in dem Buch “Die Kunst, alle animalischen und vegetablischen Substanzen mehrere Jahre zu erhalten”.

Weiterführende Forschungen ließen erkennen, dass eine individuell an das Einkoch-Gut angepasste Erhitzung mit höherer Temperatur die Haltbarkeit noch weiter verstärkte. Auch stellte man fest, dass durch die Kombination des Erhitzens mit anderen Konservierungsmethoden, wie zum Beispiel dem Einlegen in Salz oder – für uns besonders interessant – der Zugabe von Zucker und Geliermitteln eine noch bessere Haltbarkeit erreicht werden konnte. Eine möglichst vollständige Befreiung von Mikroorganismen aus Lebensmitteln nennt man übrigens Sterilisation, auch dieser Begriff wird uns noch öfter über den Weg laufen!

Aber um all diese Erkenntnisse nun aus dem industriellen Bereich heraus für den Haushalt praktisch umzusetzen, musste nochmals Zeit ins Land streichen. Nun trat der deutsche Chemiker Rudolf Rempel (1859 bis 1893) auf den Plan. Er entwarf Gläser mit glatt geschliffenen Rändern. Diese Gläser konnten mit einem Gummiring und einem Blechdeckel verschlossen werden. In einem von Rudolf Rempel entworfenen Einkochtopf konnte nun beliebieges Kochgut eingemacht werden. Sein damaliges Patent lautete: “Apparat zum selbständigen Schließen und Entlüften von Sterilisiergefäßen”.

Nach Rempels Tod im Jahre 1893 erkannte der deutsche Unternehmer Johann Carl Weck (1841 bis 1914) das Potential der Erfindung und sicherte sich das Patent. Als findiger Geschäftsmann schaffte es Weck, durch geschickte Vermarktung und Werbung das Einkochverfahren populär zu machen. Noch zu seinen Lebzeiten wurde der Begriff “Einwecken” als Synonym für das Einkochen in den deutschen Sprachgebrauch übernommen und das Einwecken entwickelte sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur beliebtesten Konservierungsmethode Deutschlands.